Du denkst, ein Produkt bei Amazon anzulegen, sei nur eine Sache von ein paar Klicks? Das dachte ich auch. Ich bin nun wirklich kein Amazon-Neuling – ich habe sogar 2001 mehrere Monate ein Praktikum dort gemacht – und ein gebrauchtes Buch über den Marketplace zu listen, ist auch wirklich kein Hexenwerk. Aber ein eigenes Produkt anzulegen?
Das ist ein mehrstufiges Prüfungsverfahren, das Geduld, Nerven und eine erstaunliche Menge an Dokumenten verlangt. Wie eine Art Escape-Room, nur ohne klare Hinweise und mit Wartezeiten von 24 bis 48 Stunden zwischen den einzelnen Rätseln.
Produkte bei Amazon einstellen – viele, viele Nachweise
Es reicht nicht, ein gutes Produkt zu haben. Du musst auch nachweisen, dass
- du existierst,
- dein Unternehmen existiert und
- dein Konto existiert –
- und dass alles bitte aktuell, gültig und lückenlos dokumentiert ist.
Also beginnt man zu sammeln. Zunächst die üblichen Dinge: Ausweisdaten, Steuerunterlagen. Alles noch im Rahmen. Doch dann kommt der Moment, an dem man zum ersten Mal zusammenzuckt: aktuelle Kontoauszüge vom Geschäftskonto. Ernsthaft? Liste ich hier gerade ein Produkt oder beantrage ich einen Kredit? Was ist mit dem Datenschutz?
Weiter geht’s mir der Gewerbeanmeldung. Die habe ich ja. Ordentlich abgeheftet. Aber nein, sie darf nicht älter als sechs Monate sein. Also ab zum Amt (danke Wiesbaden, dass das online geht!) und sich noch einmal bestätigen lassen, dass das eigene Gewerbe … nun ja … immer noch existiert. Acht Euro später liegt die Bescheinigung vor. Doch der Prozess stockt natürlich erst einmal, denn dieses Dokument gibt es nicht auf Knopfdruck.
Ähnlich knifflig verhält es sich mit dem Markennachweis. Der Eintrag im Markenregister reicht nicht aus. Benötigt wird zusätzlich eine Bestätigung – idealerweise durch einen Anwalt – sowie eine separate Markenregistrierung bei Amazon selbst. Klar.
Dann folgt der vermeintlich kreative Teil: die Produktdaten und Produkttexte. Doch auch hier lauern genügend Fallstricke, sodass man immer wieder mal geschmeidig aus der Haut fährt:
- Etwas wie „die perfekte Geschenkidee“ klingt zwar harmlos, ist aber zu werblich. Abgelehnt. Okay, verständlich.
- Die Strukturierung des Titels mit Trennstrichen, damit sich Sinneinheiten besser lesen lassen? Problematisch. Wie es besser geht, sagt einem aber keiner. Und bei anderen Produkten scheint es kein Problem zu sein.
Während man noch also versucht, die perfekte Balance zwischen informativ und regelkonform zu finden, passieren im Hintergrund noch Dinge, die sich nicht erklären lassen:
- Ein deutscher Titel im Backend erscheint plötzlich als englischer Titel im Frontend.
- Ein Autorenfoto erscheint in der Galerie der Produktfotos, obwohl ich es nicht hochgeladen habe und es im Backend auch nicht sichtbar ist. Mysteriös.
Irgendwann stellt man weniger Fragen und wendet sich einfach mal wieder an den Support.
Ein besonders spannender Abschnitt ist auch die Verknüpfung des Produkts mit der eigenen Marke. In meinem Kopf ein Automatismus – nein, nein. Als ich die sogenannten A+ Inhalte anlegen möchte, merke ich, dass etwas nicht funktioniert haben muss, denn dieser Bereich bleibt mir verschlossen. A+ Inhalte sind aber wichtig, weil man dort mehr gestalten und einfach mehr über sein Produkt erzählen kann.
Es sind also die vielen kleinen Hürden, die diesen Prozess so herausfordernd machen: ein fehlendes Detail, ein Dokument im falschen Format oder eine Angabe, die nicht exakt den Erwartungen entspricht.
Selbst Amazon war mit mir überfordert. An vielen Stellen haben wir mehrere Anläufe gebraucht, bis alles reibungslos funktionierte. Es ist ein System, das Genauigkeit erzwingt, aber wenig Raum für Iterationen lässt. Ich habe mich oft gefragt: Wie machen das die Händler in China? Oder kleine Unternehmen, die nicht die größte Online-Affinität haben?
Nach zweieinhalb Wochen, unzähligen Support-Nachrichten und deutlich mehr Geduld als ursprünglich eingeplant, war es schließlich so weit: „Mutamorphosis“ ist live.
Sieh selbst: Mutamorphosis bei Amazon
Und auch wenn ich es auf der Amazon Website korrigieren musste: „Mutamorphosis“ ist wirklich die perfekte Geschenkidee: zum Geburtstag, zu Weihnachten oder einfach, um jemandem eine Freude zu machen.
Checkliste: Produkte bei Amazon einstellen
Im aktuellen Prozess bekommst du alle Infos scheibchenweise (#Salamitaktik). Zwischen jedem dieser Schritte liegen dann 24 bis 48 Stunden, bis alles geprüft ist und die nächste Challenge wartet.
Wenn auch du vorhast, ein Produkt bei Amazon zu listen, dann nimm dir einen Moment Zeit für diese Liste. Ich hätte mir so eine Checkliste gewünscht, um alle erforderlichen Dokumente in einem Rutsch zusammenzustellen und dann hochzuladen.
Ehrlicherweise kann ich mich nicht mehr an die genaue Reihenfolge erinnern, da ich erst im Laufe der Zeit damit begonnen habe, die einzelnen Schritte zu dokumentieren.
Was du für das Einstellen neuer Produkte bei Amazon brauchst:
- Ausweisdaten
- Steuerunterlagen
- Aktuelle Kontoauszüge vom Geschäftskonto (ernsthaft?!) – hier bin ich ja fast vom Glauben abgefallen!
- Gewerbeanmeldung – aber nicht etwa die, die man ohnehin in der Schublade hat. Nein, es muss eine sein, die nicht älter als sechs Monate ist. Also ab zum Gewerbeamt und für 8 Euro eine Bestätigung deines eigenen Gewerbes einholen. Geht sogar online und heißt offiziell „Meldebescheinigung über das eigene Gewerbe“.
- Nachweis über den Eintrag im Markenregister (Patentnummer plus Bestätigung durch den Anwalt). Zusätzlich ist aber auch eine separate Markenregistrierung bei Amazon erforderlich.
- Herstellerangaben (nicht einfach nur die Produktionsfirma, sondern auch Adressen und Ansprechpartner)
- GTIN/EAN – die muss man natürlich im Vorfeld erwerben (GTIN kaufen).
- Verpackungslizenz – auch diese muss man vorab käuflich erwerben (Verpackungslizenz).
- Nachweis zur Produktsicherheitsverordnung
Dass man auch noch Bilder und Texte braucht, versteht sich von selbst.
Fazit: Nach insgesamt zweieinhalb Wochen und unzähligen Support-Kontakten habe ich es geschafft. Mein Spiel „Mutamorphosis“ ist tatsächlich bei Amazon gelistet.

